Brückenreliefs Haselünne

An der Hasebrücke in Haselünne wurden 1954 vier Reliefs von Hermann Becker geschaffen und angebracht.
Auf Grund des Brückenneubaues 2018 wurden die Reliefs entfernt. Sie werden auf einem neu zu gestaltenden Platz an der Hase wieder aufgestellt.
Dieser Platz befindet sich im Bereich des alten nördlichen Widerlagers der ursprünglichen Hasebrücke, so dass der Bezug zu den alten Gegebenheiten gewahrt bleibt.

Meppener Tagespost 1954:
Frage: Welche Verbindung besteht zwischen den einzelnen Gruppen?

Antwort: Das Grundsätzliche der zwei Gruppen liegt in der Grundform der Steinplatten. Einmal der von unten ausgehende Bogen (die aus dem Materialismus versuchte Speziallösung), zum anderen der nach oben führende Bogen (die auf übersinnlicher Ebene gedachte Zusammenführung). Im Mittelpunkt der beiden von unten kommenden Bogen liegt das Symbol der Vernichtung. Alle Bewegung hat hier ihren Anfang und drückt immer wieder Trennung, Spaltung, das Voneinanderweg aus. Ebenso wie die beiden Gefangenen streben auch die beiden Frauen trotz ihrer bis zur Nacktheit gehenden gemeinsamen Not auseinander. Der trotz gebrochener Waffe noch kämpferische Gefangene ist mit seinem Nächsten durch eine Stacheldrahtschlinge verbunden. Jeder Versuch des einen, eine Waffe – sei es auch nur geistiger Art – zu führen, drückt ihm den Stacheldraht in die Stirn und zwingt ihn in tiefe geistige Unfreiheit. Die Balken des Stacheldrahtverhaues deuten in ihrer schrägen Führung zugleich die schwere Last des gestürzten Kreuzes an. Das Trennende über den beiden Frauengestalten liegt in der Überzeugung der einen. Das über ihr zerbrechende Hakenkreuz ist der Ausgangspunkt allen Elends. Sie verfällt vor der gespaltenen und entwurzelten Heimat – hier symbolhaft durch die Eiche dargestellt – in Apathie und ahnt kaum die Möglichkeit eines neuen Aufbaues. Die andere versucht voller Entsetzen der Berührung mit dem Tod zu entgehen. Aber, festgestützt auf die berstende Eiche sieht sie nur eine Schuld, die in der Heimat fallenden Bomben, die Vertreibung, das an ihr getane Unrecht. Die beiden Menschenpaare, zwischen denen die alte Brücke zerstört ist, verkörpern die durch engstirnigen Nationalismus getrennten Völkerfamilien.

 

Frage: Sicherlich ist es von tiefer symbolischer Bedeutung, die zerstörte Haselünner Brücke zum Vorwurf des Trennenden und Zerstörenden schlechthin zu deuten, aber der neue Brückenschlag müsste doch eigentlich auch versöhnlichere Auffassungen zulassen?

Antwort: Sie haben recht, das Gegenstück finden sie in den beiden anderen Reliefs, die die Möglichkeit eines neuen Brückenschlages zeigen. Die noch getrennte Familie strebt über den neuen Brückenbogen in jeder Linienführung zueinander hin. Es ist nur noch ein Paar dargestellt, um Einheit, Toleranz der Anschauungen, Konfessionen und Rassen anzudeuten. Auf der einen Seite der Vater, der im Vertrauen auf die Kraft des Sohnes eine Eiche im Schutze des dahinter angedeuteten „E“ (Europäische Union), sich auf die Heimaterde stützt, die die Gräber der Gefallenen trägt. Die Mutter auf der anderen Seite der neuen Brücke erahnt ebenso mit geschlossenen Augen das sich Wiederfinden sie hält schützend ihre Hand über das froh in die Zukunft schauende Kind. Das Kreuz, das auf dem gleichen Boden steht, auf dem sie ruht, deutet an, dass die Familie nur Bestand haben kann, wenn sie auf der Basis des Kreuzes gebaut wird.